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Klagenfurt am Wörthersee

„Journalist des Jahres“ Mag. Dr. Harald Raffer

Dr. Harry Raffer Klagenfurt
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Beschreibung

„Journalist des Jahres“ Mag. Dr. Harald Raffer: „Vollblut“-Journalist, Aufdecker von Skandalen, hartnäckiger Spurensucher, Kärntner „Wallraff“ – über drei Jahrzehnte sorgte der Kärntner Mag. Dr. Harald Raffer als Chefreporter der „Kärntner Tageszeitung“ für spannende und unterhaltsame Exklusivgeschichten, in der Fachsprache „Solokarpfen“ genannt.

Stadtwerke Klagenfurt - KTZ Redakteur

Der heute 57-Jährige arbeitet seit Mitte 2007 als engagierter Unternehmenssprecher bei der Stadtwerke Klagenfurt Gruppe und hat den Sprung vom Top-Journalisten zum Öffentlichkeitsarbeiter eines traditionsreichen und modernen Dienstleisters nie bereut.

Harald Raffer wurde am 10. 12. 1956 als Sohn des Gastwirtes und Postbeamten Kunibert und der Hausfrau Hermine Raffer in Bleiburg geboren. Mit dem achten Lebensjahr siedelten seine mittlerweile verstorbenen Eltern mit ihren zwei Söhnen und zwei Töchtern nach Klagenfurt. Schon mit 16 Jahren und neben der Schule wurde Raffer nach einer Ferialpraxis bei der KTZ vom Zeitungsvirus erfasst. Mit knapp 17 Jahren war er der jüngste Reporter in Österreich. Es folgten Stationen als Redakteur, Außenstellenleiter, Vize-Lokalchef und Chefreporter. 1980 heiratete Raffer die Säuglingspflegerin Ingrid Macher, die er nach einer schweren Krankheit fünf Jahre bis zu ihrem Tod zu Hause in Maria Rain pflegte. Aus dieser Ehe stammen die drei bereits erwachsenen Kinder René, Sandra und Guido. Der Spitzenjournalist absolvierte „nebenbei“ sein Studium der Germanistik und der Medienkommunikation. Er unterrichtet seit Jahren an der Universität Klagenfurt und schreibt bei diversen Magazinen. Im Juni 2007 wechselte Raffer zur Stadtwerke Klagenfurt Gruppe, wo er den Bereich „Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation“ völlig neu aufbaute. Als Pressesprecher genießt der Ex-Chefreporter einen ausgezeichneten Ruf, nicht zuletzt wegen seiner ständigen Erreichbarkeit. Der 57-Jährige ist seit zwei Jahren mit der Arzthelferin Sieglinde Unterassinger, einer bezaubernden Lesachtalerin, verheiratet und wohnt in Klagenfurt- Viktring. Das Mitglied des Präsidiums „Kuratorium Sicheres Österreich“ arbeitet zurzeit an einem Kinderbuch und will später Romane veröffentlichen.

Stadtwerke Klagenfurt - KTZ Redakteur

Harald Raffer interviewte Staatschefs, Kirchenfürsten und Minister. Aber auch Serienkiller, Spione und Schwerverbrecher. Er schlüpfte – wie Günter Wallraff – tagelang verkleidet in verschiedene Außenseiter-Rollen und berichtete hautnah über seine Erfahrungen. Der mehrfach ausgezeichnete ehemalige Redakteur, Schlagzeilen-Produzent, Geschichten-Aufreißer und Universitäts-Lehrbeauftragte konnte in seiner Zeit als Journalist auf ein dichtes Informanten-Netz zurückgreifen. Der Vater dreier erwachsener Kinder schmunzelnd: „Ich bin noch heute vom Zeitungs-Virus infiziert und liebe den Duft der Druckerschwärze und das Rascheln von Zeitungspapier…“

Die „Kärntner Tageszeitung“ musste zu sperren, ist im Medien-Himmel gelandet. Was denkt da ein ehemaliges KTZ-Urgestein?

Harald Raffer: Zugegeben – es schmerzt! Der Verlust jeder Zeitung, die sich Jahrzehnte am heiß umkämpften Medienmarkt behaupten konnte, ist ein Armutszeugnis für die Demokratie. Für Kärnten war diese regionale Zeitung eine echte Bereicherung – und sie geht vielen Menschen ab. Ich habe mich an dem Trauer-Tag, als die KTZ das letzte Mal gedruckt worden ist, an viele alte Geschichten, Wegbegleiter und Begebenheiten erinnert. Zugegeben mit etwas Wehmut…

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Welche Geschichten meinen Sie Harald Raffer?

Harald Raffer: Da gibt es viel zu viele! Ich habe ja schon als 16-jähriger Schüler nach einem Ferialpraktikum die Zeitungsredaktion kaum mehr verlassen und noch Bleisatz und Schwarz-weiß-Fotoausarbeitung erlebt. Ich bin per Autostopp zu Geschichten gefahren, weil ich ja noch keinen Führerschein hatte – etwa zu einem fürchterlichen Gewaltverbrechen. Dort musste ich die Bilder der Verbrechensopfer besorgen.

Ich hatte zum Glück erfahrene Kollegen, die mir das richtige Recherchieren, das gute Formulieren und den korrekten Journalismus gezeigt und vorgelebt haben. Davon habe ich als junger Journalist profitiert. Es ging damals schon um den schmalen Grat zwischen Vorverurteilung und dem berechtigten Aufzeigen von Missständen durch die so genannte vierte Gewalt, also um Informationspflicht bzw. das Recht der freien Meinungsäußerung. Journalisten besitzen enorme Macht – und sie dürfen diese nicht missbrauchen und keine willkürlichen Hetzkampagnen starten. Mit einer einzigen fehlerhaften Geschichte kann man Existenzen vernichten, man kann aber auch Positives bewirken. Ich habe mich auch an meinen Einsatz bei einem gewaltigen Waldbrand 1976 im Bereich des Singerbergs bei Ferlach erinnert. Ich stürzte mit drei Kollegen und einem Feuerwehrmann 100 Meter mit einem Jeep über steiles Gelände – zum Glück wurden wir alle aus dem Wagen geschleudert. So überlebten wir!

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Wie sieht es mit dem Journalisten-Nachwuchs aus?

Harald Raffer: Es wird immer Talente geben – und Menschen, die als hervorragende Schreiber gerne Neuigkeiten verbreiten oder spritzige Kommentare verfassen. Wir brauchen Leute, die in der Öffentlichkeit Unrecht anprangern, die Wahrheit suchen und unappetitliche Affären aufdecken. Das Problem dabei ist, dass es viel zu wenig Jobs im Kommunikationsbereich gibt. Und die Verlage sparen derzeit eisern, bauen Personal ab. Das gefährdet den seriösen Journalismus. Niemand hat mehr Zeit für etwas – auch die Redakteure. Ein Tipp  an alle, die Journalisten werden wollen – seid einfach hartnäckig! Bei der Suche nach einer Arbeit und später bei der Recherche und der Jagd nach einer guten Story. Einen Journalistenjob in einem aktuellen Ressort kann man nicht mit einem 08-15-Beruf mit fixen Dienstzeiten vergleichen. Allein das Aufbauen von vertraulichen Informanten hat bei mir Jahre gedauert. Es hat sich aber ausgezahlt. Und man muss natürlich Geschichten erkennen – sie liegen tatsächlich auf der Straße. Man muss sie oftmals nur aufheben…

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Pressesprecher Stadtwerke Klagenfurt

Gab es Bestechungsversuche?

Harald Raffer: Durchaus. Einmal ging es sogar um eine größere Summe. Ich sollte eine bestimmte Geschichte nicht bringen – ich habe selbstverständlich abgelehnt! Ein Journalist darf nie käuflich sein! Die Story erschien in großer Aufmachung.

Sie haben den Papst interviewt?

Harald Raffer: Stimmt – es war der kürzlich heilig gesprochene polnische Heilige Vater, Papst Johannes Paul II. Das interessante Gespräch im Vatikan, das mir ein Mitglied der römischen Kurie vermittelt hatte, verlief in freundlicher Atmosphäre. Ich hatte allerdings auch mit einem anderen Herrn Papst zu tun. Stichwort: Papierfabrik Villach-Magdalen! Dieser Herr namens Wilhelm Papst veruntreute laut Gericht Millionen und flüchtete nach Übersee. Bei seiner Verhaftung in einem entlegenen Urwald-Gefängnis in Südamerika konnte ich ihn am Telefon exklusiv interviewen. Er beteuerte natürlich seine Unschuld. Für mich war das Telefon so wichtig, wie heute für junge Kollegen das Internet.

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KTZ Redakteur Harald Raffer

Und das Interview mit Gadaffi?

Harald Raffer: Das war nicht leicht zu bekommen – ich stand deshalb ständig mit dem Libyschen Volksbüro in Wien in Verbindung. Wegen der Geburt meines ersten Sohnes habe ich zunächst eine Einladung ausgeschlagen. Normalerweise eine Beleidigung. Ich habe das aber sofort begründet. Schließlich wurde ich als einziger deutschsprachiger Journalist  nach Tripolis eingeladen – und konnte nach Tagen den Diktator mitten in der libyschen Wüste bei Syrte in einem grünen Zelt und vor seiner weiblichen Leibwache interviewen. Dabei wurde aus Sicherheitsgründen zuvor mein Fotoapparat zerlegt. Das war noch zur Zeit des Embargos! Ich musste also über Tunesien einreisen. Gadaffis Warnung an die USA, er werde ihren Bombenangriff ebenfalls mit Bomben vergelten, wurde nach der Veröffentlichung in der KTZ von Agenturen übernommen und schließlich von US-Medien zitiert. Ich hätte mir nie gedacht, dass dieser exzentrische Diktator, der selbst durch einen unblutigen Sturz an die Macht gekommen war, letztlich auf so grausame Weise enden würde. Ein Interview-Versuch mit Sadam Hussein ist gescheitert, ebenso mit dem russischen „Bär“ Vladimir Putin. Das Treffen mit Putin hätte bei einer internationalen Veranstaltung der Ingenieurpädagogik in der Montan-Uni in St. Petersburg stattfinden sollen. Ich war schon vor Ort. Aber Putin hat in letzter Sekunde abgesagt – wegen eines Bombenanschlages in Moskau. Interessant war hingegen die kurze Begegnung mit PLO-Chef Arafat in Klagenfurt und mit weiteren Staatschefs beim Regierungsgipfel in Kärnten. Ein Telefon-Interview mit dem DDR-Kurzzeitstaatschef Egon Krenz wurde leider rasch unterbrochen. Aber wer nicht probiert, kommt eben zu keinem interessanten Gesprächspartner. Fotograf Jellitsch und ich trafen DDR-Flüchtlinge kurz vor dem Fall der Mauer. Eine verzweifelte Mutter mit ihren Kindern…

Sind Gespräche mit Regierungschefs auf Knopfdruck zu bekommen?

Harald Raffer: In Österreich ist es für einen Medien-Vertreter nicht schwer, den Herrn Bundespräsidenten oder Bundeskanzler zu interviewen. Es gibt eine Kanzlei, fixe Termine und eine entsprechende Vorgangsweise. Vor Jahren habe ich für eine Serie Sekunden vor Redaktionsschluss Bundespräsident Waldheim ans Telefon bekommen. Das Staatsoberhaupt war offensichtlich einsam, sehr mitteilungsbedürftig und hörte mit dem Erzählen einfach nicht mehr auf. Der Redaktionsschluss war bereits längst überzogen – und Waldheim plauderte munter weiter. Bis der damalige Chef vom Dienst hereinstürmte, mir das Telefon aus der Hand riss und laut in die Muschel brüllte: „Mit welchem Volltrottel telefonierst Du so lange – die Zeitung muss in den Druck!“ Waldheim hat das nach Diplomatenart  ungerührt zur Kenntnis genommen und nach kurzem Durchatmen gemeint: „Ich glaube, Sie haben zu tun. Habe die Ehre“. Es folgte ein Klicken. Der Kollege war am nächsten Tag doch etwas betroffen. Jahre später musste ich Bundespräsident Dr. Klestil bei einem Interview in der Hofburg beteuern, dass seine Krawatte „wirklich perfekt sitzen“ würde. Außerdem hätte ich ohnehin keinen eigenen Fotografen dabei. Er zeigte sich enttäuscht. Meine Antwort: „Es existieren ja genügend schöne Präsidenten-Bilder in unserem Archiv“.

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Stadtwerke Klagenfurt

Weitere Beispiele von interessanten Politiker-Gesprächen…

Harald Raffer: Die gab es allerdings. Der damalige Klagenfurter Vizebürgermeister Reinhart Gaugg zitierte in meiner Serie „Freche Fragen“ den Begriff Nazi mit den Worten „neu, attraktiv, zielstrebig und ideenreich“. Gaugg war damals auch der offizielle Statthalter von Haider. Deshalb erschienen die aufgebrachten Reaktionen auf diese Aussage sogar in Medien in Übersee. Das Gespräch erfolgte am Telefon, ich hatte eine Tonbandaufzeichnung und Zeugen. Wochenlang war diese Geschichte das Thema Nummer eins der österreichischen Innenpolitik. Eine ganz andere Geschichte war etwa ein Interview mit Kanzler Franz Vranitzky. Er rief mich danach am Abend in der Redaktion an und frage höchst besorgt: „Harry, was habe ich auf die Frage, ob ich jemals schon einen Seitensprung riskiert hätte, geantwortet? Ich las laut vor: Ja, aber nur beim Tennis!“ Der Bundeskanzler atmete hörbar auf, bedankte sich artig und legte auf. Auch ein mächtiger Mann hat wohl manchmal Angst vor seiner charmanten Frau. Eine Vizekanzlerin, die bei einem Gespräch in der Landesfeuerwehrschule plötzlich nicht mehr weiter wusste, unterbrach blitzartig das Interview mit mir und stürzte einfach davon. Der streitbare Bischof Krenn erklärte auf die Frage, wie er mit seinem Gewicht umgeht, wörtlich: „Was mir der liebe Gott gegeben hat soll mir niemand nehmen…“ Und als blutjunger Journalist habe ich den großen Kreisky in Wien gefragt, ob er sich über Karikaturen ärgern würde, die ihn nur mit ein paar Strichen und krausen Kopfhaaren darstellen würden. Seine coole Antwort: „Aber geh, lieber junger Kollege  – solange ich noch einer Zeitung den Platz für eine zweispaltige Karikatur wert bin, bin ich noch wer in der Politik…“

Manchmal ging es tierisch zu…

Harald Raffer: Aber ja. Ich war in der Nähe, als vor Jahren ein aus einem Wander-Zirkus ausgebrochener Leopard in Ferlach erschossen wurde. Die Büchsenmacher machten mit ihren großen Gewehren mitten in einem Kärntner Bezirksstädtchen Jagd auf das abgemagerte Tier, das zuvor noch vor Schreck  im Kestag-Gelände einen Lagerarbeiter angefallen und leicht verletzt hatte. Schließlich wurde die Raubkatze erschossen, der Kopf fehlte! Dieser wurde Jahre später im Wohnhaus eines Gendarmerie-Offizier gesehen – ausgestopft am Kamin. In einem Lokal in der Klagenfurter Innenstadt zeigte ein Wirt und ehemaliger Seefahrer in einem Aquarium einige Piranhas. Als ein Lehrling, der das Aquarium reinigen musste, von einem dieser Fische leicht am Finger geschnappt wurde, schrieb ich eine unterhaltsame Geschichte über die Haltung von Piranhas – und wo man sie bewundern konnte. Ein deutsches Boulevardblatt titelte allerdings: „Wahnsinn – mitten in Klagenfurt! Küchenjunge von Piranhas angefallen.“ Und weiter: „Hans-Jürgen M. aus Hamburg und seine hübsche Frau saßen gerade im Klagenfurter Nobellokal F. und aßen ein Steck – medium, als plötzlich der Küchenjunge blutend und schwer verletzt an ihnen vorbeilief….“ Den Bericht zierte ein von Piranhas im Amazonas-Gebiet zerfressenes Rind und ein Interview mit einem Zirkusdirektor über die Gefährlichkeit dieser kleinen Bestien…Da gab es noch Stiere, die ein Landwirt auf mich und einen Fotografen hetzen wollte – er hatte Geld von einem Überfall gefunden und befürchtet, dass wir ihm die Scheine abnehmen wollten. Er durfte sie ohnehin nicht behalten. Und wir könnten uns noch stundenlang über witzige Verwechslungen, Kollegen-Streiche und höchst außergewöhnliche Reporter-Einsätze unterhalten.

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Stadtwerke Klagenfurt – KTZ Redakteur

Sie sind oft in Rollen geschlüpft – wie der deutsche Schriftsteller Günter Wallraff…

Harald Raffer: Stimmt. Allerdings nicht monatelang. Ich war als Beifahrer in einem Kärntner LKW im Orient unterwegs und beschrieb das beschwerliche Fernfahrer-Leben, das mit Romantik überhaupt nichts zu tun hat. Ich übernachtete als „Sandler“ verkleidet im Klagenfurter Obdachlosenasyl. Dort stellte ich fest, dass jeder von uns durch einen plötzlichen Schicksalsschlag aus seinem gewohnten Leben geworfen werden kann. Ich war als „Adis-Kranker“ auf Zimmer-Suche und als „Bettler“ in den Straßen von Klagenfurt unterwegs. Den Geldbetrag habe ich natürlich gespendet. Ich besuchte als „Waffenhändler“ getarnt mit einem Koffer voller Geld Kärntner Priester und Mönche. Zur Gewissenserleichterung – allerdings nicht im Beichtstuhl und nicht im Gotteshaus. Ich ließ mich außerdem tagelang in das Villacher Anhaltezentrum der Polizei einsperren. In diesem Gefängnis sind vor allem Schubhäftlinge untergebracht. Ich lebte in einer Vier-Mann-Zelle. Ein komisches Gefühl, wenn die dicke Tür ins Schloss fällt. Ich konnte aber einem ehemaligen irakischen Luftwaffenoffizier das Leben retten. Der Mann hätte wieder in den Irak abgeschoben werden sollen – durch meine Berichterstattung durfte er schließlich nach Deutschland ausreisen. Für mich bleibt meine Rolle als bosnischer Gastarbeiter Achmed Basilovic unvergesslich. Ich war als Basilovic tagelang auf Job- und Herbergssuche in Kärnten unterwegs. Da habe ich Dinge erlebt, die man nicht für möglich hält. Der Vorteil dieser Verkleidungs-Rollen war wohl auch, dass ich sie jederzeit abstreifen konnte. Andere Menschen müssen mit diesen Rollen buchstäblich leben und können ihre Haut nicht einfach wechseln…

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KTZ Redakteur

Sie sorgten für „Solokarpfen“…

Harald Raffer: Das sind Exklusivgeschichten. Da kommt es eben auf viele Kontakte an. Wenn man Anwälte, Behördenvertreter, Ankläger, Polizisten verschiedener Abteilungen usw. kennt und die Kontakte intensiv pflegt, entsteht Vertrauen – und dann bekommt man die guten Storys. Diese Leute müssen sich auf deine Verschwiegenheit verlassen können. Es gibt ja das bewährte Redaktionsgeheimnis. Ich hatte zum Beispiel meistens die verschiedenen Rechnungshofberichte exklusiv auf meinem Tisch. Ein weiteres Beispiel: Ich veröffentlichte den Leidensweg einer betagten Frau, die vor Jahren in einem Landesspital bei vollem Bewusstsein eine Unterleibsoperation über sich ergehen lassen musste. Die Story erschien in ganz Europa. Man darf als Journalist eben kein reiner Langweiler und kein trockener Beamten-Typ sein. Und sich nicht zu viel fürchten. Man muss zu den Menschen. Schließlich ist man irgendwie immer im Dienst. Und natürlich kann man, trotz aller genauen Recherchen und Stellungnahmen aller Seiten, vor dem Medienrichter landen.

Sie sprachen sogar mit Jack Unterweger…

Harald Raffer: Stimmt! Während einige Medien dem in Miami in U-Haft einsitzenden und wegen etlicher Prostituierten-Morde gesuchten Jack Unterweger Millionen für ein Interview angeboten haben, holte ich mir zunächst die Genehmigung für ein Gespräch vom US-Justizministerium. In Miami war sogar eine Häfn-Chefin tätig. Danach bot ich Unterweger an, seine schriftliche Stellungnahme ungekürzt zu bringen. Das hat ihn beindruckt – und so kam ich unentgeltlich und auf Fax-Papier zu einer umfangreichen Stellungnahme – direkt aus den Staaten! Später schrieb mir Unterweger immer wieder Briefe, wie auch der damalige Flick-Schwager-Entführer. Das waren natürlich immer Geschichten für die Zeitung. Und der Höhepunkt kam noch – eine bekannte Juristin schmuggelte mich zu Unterweger in die U-Haft ins Grazer Landesgericht. So kam ich vor der Verhandlung zu einem spektakulären Exklusiv-Interview, das viel Staub aufwirbeln sollte. Übrigens – Unterweger hat während seiner ersten Haftzeit auch für die Kindersendung „Das Traummännlein kommt“ geschrieben. Ich habe später auch andere Mörder in Haftanstalten aufgesucht und interviewt. Etwa einen der beiden Stausee-Killer, der damals mit einem Komplizen auf brutale Weise einen jungen Familienvater und Banker ausgeraubt und mit einem Betonsockel im Stausee ertränkt hat. Dieser Mann saß in seiner Zelle in Graz-Karlau und erklärte beleidigt: „Nach Kärnten komme ich nicht mehr, die waren alle so bös zu mir!“ Er wäre um ein Haar beim Lokalaugenschein der Lynchjustiz zum Opfer gefallen. Die Gendarmen konnten die beiden Mörder nur durch ein vorhandenes Boot in letzter Sekunde vor der aufgebrachten Menge retten. Ich sah und sprach mit vielen schrägen Typen. Sah viele Unglücks- und Verbrechensopfer und Täter, wie den Klippitzthörl-Mörder, der seine Freundin in der Badewanne zersägte und die Leichenteile in Kärntner Wälder entsorgte. Eine Wäschereinummer wurde ihm zu Verhängnis. Ich verfolgte aufsehenerregende Prozesse wie die Verhandlung vom Bomber Franz Fuchs. Ich interviewte Felix Bloch, ehemaliges US-Botschaftsmitglied in Wien, der für die Russen spioniert haben soll. Dabei half mir ein ehemaliger Außenminister. Ein persönliches Treffen gab es mit dem letzten Oberst des jugoslawischen Geheimdienstes, einen gewissen Josip  Majerski, der mir nach seiner Haftentlassung aus Stammheim in München einiges über die Aktivitäten der Spitzel und Agenten in Kärnten verriet. Er hatte sich als Kellner getarnt in die deutsche Exil-Kroaten-Szene eingeschlichen und Aufrührer gemeldet. Diese wurden dann von professionellen Killerkommandos liquidiert. Das Gespräch wurde vom deutschen Bundesnachrichtendienst aufgenommen, ohne dass ich etwas in der Münchner Gaststube gemerkt hätte. Das gesamte Protokoll erhielt der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit in Wien. Mit schönen Grüßen vom BDN aus Pullach….

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Die Jagd nach Interviews treibt also seltene Blüten…

Harald Raffer: Allerdings. So durchbrach ich mit einer Kollegin mit einem Schi-Do die menschliche Schutzwand bei einem James-Bond-Dreh in Kärnten und konnte unbehelligt mit 007-Darsteller Timothy Dalton in dessen gemütlichen Wohnwagen plaudern. Mit Peter Alexander verbrachte ich einen ganzen Abend in Ossiach. Ein weiteres Beispiel zum Schmunzeln: Ein aktiver Gewerkschaftslandessekretär forderte von mir eine Geschichte über die Gleichbehandlung der Männer. Er wetterte gegen die bevorzugte Behandlung von Frauen! Er kam mit eigenartigen Argumenten gegen die Damenwelt. Nach der Veröffentlichung wurde er von seinem Job als Gewerkschaftssekretär sofort suspendiert – von einer Frau! Damals musste noch der Herr Kaske eingreifen und die Geschichte gearde biegen. Der Mann durfte nach sämtlichen Entschuldigungen den Job schließlich behalten. Einen ÖGB-Chef, der für ein Interview in der AK „leider keine Zeit hatte“, stellte ich mit meinem Tonband am WC. Und ich hatte das Gespräch im Kasten. Wegen eines Geschichte von mir hatte der damalige Spitalsreferent LH Haider einen Spitals-Zentralbetriebsrat vor die Tür gesetzt. Er musste nach heftigen Protesten diese Maßnahme rasch zurücknehmen – das hätte auch arbeitsrechtlich nicht gehalten.

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Stadtwerke Klagenfurt – KTZ Redakteur

Ein Interview mit einem Außerirdischen habe ich leider nicht geschafft,. Aber wer weiß? Und ja, jeder Journalist produziert ungewollt und trotz aller Recherchen einmal eine Ente. Ich habe als junger Reporter Ende der 70er-Jahre nach einem Millionen-Postraub in Klagenfurt einen „todsicheren Tipp“ aus Polizeikreisen bekommen. Und den Namen des angeblichen Räubers veröffentlicht. Es war einer der besten Freunde des damaligen Chefredakteurs. Ich kann mich noch an die ordentliche Strafpredigt erinnern. Bis heute gilt der Fall allerdings als ungeklärt…Nur mit Namen sollte man besser sorgsam umgehen. Dafür sorgt auch das neue Medienrecht – etwa nach Selbstmorden, bei Jugendlichen oder bei Verdachtsfällen. Dafür gibt es ja die berühmte Unschuldsvermutung…

Sie diskutierten bei einem „alten“ Club 2?

Harald Raffer: Nun ja – da sollte man die Kirche im Dorf lassen. Ich war einmal bei einer Club-2-Diskussion, die noch Robert Hochner geleitet hat. Der alte und noch erfolgreiche Club 2 sozusagen. Es ging dabei um Verbrechensopfer. Ich hatte damals eine entsprechende Serie verfasst und bewiesen, dass Opfer bei der Berichterstattung meist zu reinen Statisten degradiert werden. Dafür erhielt ich den Goldenen Löwen des Lion Club St. Stephan Wien. Und ich war nach meinem Einschleichen in den Villacher Häfn bei „Vera“ und mit meiner Bettler-Verkleidung bei der Tages-Talk-Show von Barbara Karlich.

Freut man sich über Auszeichnungen?

Harald Raffer: Das ist der eindeutige Beweis, dass man langsam älter wird. Aber natürlich freut man sich darüber. Etwa über den Menschenrechtspreis des Landes Kärnten – für meine Rollenspiele. Oder über den Staatspreis des Wissenschaftsministeriums, über die Branchen-Auszeichnung „Journalist des Jahres“, über Ehrungen verschiedener Organisationen wie der Wiener AK, der Ärztekammer, der Jagdverbände, des KSÖ usw. usw. Diese Ehrungen waren noch dazu  mit Reportagen verbunden, die äußerst kritisch ausgefallen sind. Ich hatte als Journalist stets Angebote anderer Medien, fühlte mich aber bei der KTZ durchaus wohl.

Stadtwerke Klagenfurt - KTZ Redakteur

Stadtwerke Klagenfurt

Wie sehen Sie jetzt Ihre Rolle als Stadtwerke-Pressesprecher?

Harald Raffer: Nun – das ist eine sehr schöne und verantwortungsvolle Aufgabe, die natürlich ebenfalls mit Stress verbunden ist.  Hier konnte ich den Bereich Öffentlichkeitsarbeit aufbauen und bin bei einem gut aufgestellten Unternehmen, das sich mit seinen Tochterfirmen für die Zukunft bestens präsentiert. Im Sinne der Kunden und der 850 Mitarbeiter. Ganz nach dem Motto „Rund um die Uhr – Hochleistungskultur“. Es geht um Energie, öffentlichen Verkehr, Freizeit, Außenwerbung, Breitband-Internet, Trinkwasser und das Bestattungswesen. Alles aus einer Hand eben. Die Stadtwerke Klagenfurt Gruppe weitet ihre umfangreiche Angebotspalette aus – von Photovoltaik bis zu Sicherheitsanalagen. Und die Stadtwerke engagieren sich – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – für gesellschaftliche Belange. Vom Kärntner Lyrikpreis bis hin zu sozialen Maßnahmen, wissenschaftlichen Aktionen bis zum Sport. Die beiden Vorstände unterstützen mich bei meiner interessanten und abwechslungsreichen Arbeit. So ist es sicher ein Vorteil, wenn man den Tagesablauf ehemaliger Journalistenkollegen kennt. Ich kann ja einem Redakteur einer Tageszeitung bei einer aktuellen Geschichte nicht sagen, dass er lieber morgen anrufen soll…

Stadtwerke Klagenfurt - KTZ Redakteur

Stadtwerke Klagenfurt – KTZ Redakteur Harald Raffer

Fotograf: Klaus-Ingomar Kropf
Geschrieben von:
Haer Kopernikus

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